Drais Rundgang mit Martin Hauge


Wer im Stadtbild von Karlsruhe nach Zeugnissen von Karl Drais sucht, nach Orten an denen in angemessener und korrekter Weise auf Ihn hingewiesen wird, findet sehr wenig; eigentlich nichts. Auch diese Tatsache mit den daraus resultierenden Folgen gehört zu den Mißständen, auf die unsere Ausstellung aufmerksam machen möchte.

Die hier gezeigte Photoserie bietet Ihnen eine Auswahl von Orten, die in direktem Zusammenhang mit Karl Drais stehen und deren Bedeutung die Einrichtung eines Drais Rundgangs nahelegt.

Die meisten Punkte sind nicht weit voneinander entfernt, wären zu Fuß gut ablaufbar, aber auch die Erweiterung zu einem Fahrradrundkurs ist gut vorstellbar.
Das wäre für Einheimische wie Touristen eine echte Attraktion. Es gibt schon lange derartige Pläne und spätestens Anfang 2017 sind auf private Initiative hin erste Führungen vorgesehen.

Bei der hier vorliegende Nummerierung handelt es sich um eine meist zeitliche geordnete Reihenfolge.
In Klammern hinter der Stationsnummer, wenn möglich die zeitliche Zuordnung.

Termine buchen bitte bei "Stattreisen e.V. unter: www.stattreisen-karlsruhe.de   31646b fb7c2d2fe1694cb2a527d67e10045740mv2

Die Stationen

  • 1a. Linkenheimer Allee / Drais Obrist

    Drais Obrist

    Die vom Nordrand des Schloßparks aus nach Norden laufende Linkenheimer Allee hatte anfangs bei der Stadtgründung den Namen DRAIS OBRIST ( ein militärischer Rang), nach dem Urgroßvater von Karl Drais, Wilhelm Christoph von Drais zu Sauerbronn, einem Mitglied des Ritterordens Fidelita.

    (siehe auch Station 10)

  • 1. Denkmal

    Denkmal

    Großherzog Carl-Friedrich war sein Taufpate.

    Siehe Geburtsurkunde (ganz oben) / Station 11 / Archiv EOK Blumenstraße

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    A DSC 2854

  • 2. Geburtshaus am Schlossplatz

    Geburtshaus

    Direkt am Schloßplatz; in dem Häuserblock westlich der Nord-Südachse ist Drais mit sehr großer Wahrscheinlichkeit geboren. Verschiedene Historiker haben die Archive durchforscht, aber keinen ganz sicheren Hinweis auf ein bestimmtes Haus gefunden.

    Einen unsicheren Hinweis auf eine Dienstwohnung des Vaters am Rondellplatz gibt es, Genaueres wurde bisher nicht gefunden.

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  • 3. Großherzogliches Innenministerium

    Großherzogliches Innenministerium

    Schlossplatz

    östlich der Nord-Südachse

    (1817)

    Hier, im ehemaligen Innenministerium, reichte Drais 1818 (?) das Privilegiengesuch für seine berühmteste Erfindung, die zweirädrige Laufmaschine, ein.

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  • 4. Lyceum

    Lyceum

    (1798-1800)

    Direkt am östl. Marktplatz, auf dem Grundstück des ehemaligen Modehauses Schöpf, stand bis zu seinem Abriss 1807 das markgräfliche Gymnasium illustre, das Drais bis zum Jahr 1800 besuchte und mit Realabschluss verließ.

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  • 5. Regierungspräsidium / Meidingersaal

    Im Regierungspräsidium wurde ein Saal nach Professor Heinrich Meidinger benannt, der seinerzeit der schärfste Draisgegner in Karlsruhe war.

    Es gelang uns 2015 im Meidingersaal eine Rede gegen Meidinger zu halten; der Redner war Exbürgermeister Ulrich Eidenmüller.

    2017 fand im Foyer die zweite große Draisausstellung statt, die vom 24. Mai bis 25. Juni 3000 Besucher*innen verzeichnen konnte. 
     
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  • 6. Dienstwohnung des Vaters

    Dienstwohnung des Vaters

    Rondellplatz

    (1800-1803)

    Laut einem Vermerk von Fritz Hirsch (100 Jahre Schauen und Bauen, Band II, S.384) wohnte die Familie (vor dem Umzug nach Kirchheim/Hunsrück) am Rondellplatz 22.

    Foto3

  • 7. Spielzeug-Döring / Ritterstraße

    Im Jahr 1833 erschien in der Karlsruher Zeitung eine Anzeige des Unternehmers Wilhelm Döring mit bemerkenswertem Inhalt:

    "Neue Kinderdraisinen in mehreren Größen eingetroffen".

    Das widerlegt die oft fälschlich verbreitete Behauptung, die Laufmaschinen seien zu der Zeit völlig vergessen gewesen.

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  • 8. Fahrradfabrik Alwin Vater
    In dem Weinbrennerhaus am Zirkel führte bis 1918 eine bedeutende Persönlichkeit der Deutschen Radsportgeschichte sein Geschäft.
     
    Alwin Vater, ein 1869 in Wuppertal geborener  Radsportler/Fechter und Eisschnelläufer verkaufte hier Fahrräder/Lastenräder/ Autos/Schreib- sowie Nähmaschinen und vieles mehr ... überwiegend Erzeugnisse der Firma ADLER / Frankfurt, deren Generalvertreter für das Großherzogtum Baden er war.
    Er war Mitbegründer des Badischen Automobilsportverbandes und hatte in verschiedenen Organisationen hohe Positionen inne.
     
    Er starb leider sehr früh (1918) an den schweren Verletzungen eines Unfalls, als er in Straßburg bein Sprung aus der Straßenbahn in seinen Säbel stürzte. 
    Seine Familie lebt z.T. noch heute in Karlsruhe.
     
    Im gehörte auch einige Jahre die Radfahrerhalle (Fahrschule Printz, siehe Station 31) in der Schillerstraße 22, die ein großes Draisrelief im Giebel aufwies.
     
    Was bleibt sind zahlreiche Siege wie deutsche Meisterschaften im Sprint 1890 und 1891, Europameisterschaften 1892 und 1893 und viel internationale Erfolge.
     
    Bis heute existiert schräg gegenüber das Fahrradgeschäft der Familie Strebel, die etliche Jahre nach Alwin Vaters Tod das Geschäft übernahmen.
     
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  • 9. Ständehaus

    Ständehaus / Ständehausstraße

    Hier wurde der Antrag für eine Leichtbau-Eisenbahn eingereicht.

    Foto12

  • 10. Herrenstraße

    Drais'sche Gasse

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  • 11. Blumenstraße / Ecke Herrenstraße

    Geburtsurkunde im Ev. Oberkirchenratsamt

    In dem großen Sandsteingebäude befindet sich das Archiv des Evangelischen Oberkirchenrates (EOK) und hier wird auch  die Geburtsurkunde von Karl Drais aufbewahrt.

    Karl Drais TAUFURK 1

    A DSC 2781

  • 12. Nymphengarten

    Nymphengarten / Kriegsstraße

    Hier führte Karl Drais im Jahre 1813 seine vierrädrige „ Fahrmaschine I “ dem russischen Zaren Alexander I. vor, der ihn daraufhin zum sich bereits abzeichnenden Kongress nach Wien (1815) einlud.

    A DSC 2796

    Foto4

  • 13. Ecke Kriegs-/Lammstraße

    Marschall-Bieberstein

    Hier wohnte der Draisfreund Carl Otto Freiherr von und zu Marschall - Bieberstein.

    Er war an Drais' Todestag ( siehe Station 23) an seinem Sterbebett und richtete vermutlich die Beerdigung auf dem Alten Friedhof an der kapellenstraße (siehe Station 39) aus. Über mehrere Generationen waren beide Familien befreundet.

    A DSC 2797

  • 14. Kriegsstraße

    Kriegsstraße,

    nördlicher Rand, zwischen Lamm- und Karl-Friedrich-Straße

    Das 1893 eingeweihte Denkmal wurde von dankbaren Radfahrerverbänden gestiftet und besteht aus einer posthumen Büste auf einem Marmorsockel.

    Es stand in der Zeit des zweiten Weltkrieges auf einer Liste von „unschönen und überflüssigen“ Denkmälern, die zum Einschmelzen zur Stahlgewinnung in Erwägung gezogen waren.

    Im Jahre 1963 wurde beschlossen, es wegen des wachsenden Autoverkehrs, zusammen mit den Denkmälern von Carl Benz und Franz Grashoff an den heutigen Standort zu verlagern.

    Foto13a

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    A DSC 2801

    Foto13aA

  • 15. Südwestl. des Ettlinger Tors

    Am Ettlinger Tor, westlich der Nord-Südachse,

    südl. der Kriegsstraße

    Während seines Rückzuges (ab 1839) aus der Stadt Mannheim in den Odenwald nach Waldkatzenbach, testete er seine auf Basis der Fahrmaschine II (Siehe Station 12) beruhende Eisenbahndraisine, die von 2 Fahrern angetrieben bis zu 8 Personen hätte befördern können; wozu er eigens aus etwa 100 Kilometer Entfernung anreiste.

    Das Testfahrzeug stellte er im Gasthof "Stadt Rastatt" in der Amalienstraße, etwa auf Höhe von "Jaques Weindepot" ab.

     

    A DSC 2805

  • 16. Beiertheimer Allee

    Denkmal

    Beiertheimer Allee,
    Grünstreifen nördlich der Kreuzung Bahnhofstraße

    Vorerst letzter Standort der posthumen Büste von Karl Drais, die hier wegen des Ausbaues der Kriegsstraße zusammen mit den Denkmälern von Benz und Grasshoff aufgestellt wurden.

    Am 29. April, zu seinem Geburtstag, findet hier seit langem jährlich eine offizielle Gedenkfeier statt.

    Der frühere Standort war sicher der bessere; am heutigen Standort ist er dem öffentlichen Bewußtsein leider fast völlig entzogen.

    Foto13b

  • 17. Rennbahn im Stadtgarten am Lauterberg

    Von 1890 bis 1896 befand sich dort eine 400 Meter Rennbahn rund um den heutigen Schwanensee, den damaligen Rennbahnsee.

    Dort wurden nationale und internationale Rennen gefahren, sie durfte aber auch zu Übungszwecken benutzt werden.

    Die eigens für Angehörige des Hofes eingerichtete Loge wurde nie benutzt; vermutlich weil die wachsende Begeisterung für das Radfahren zu sehr mit dem Namen Karl Drais verbunden war und  der war ja nun ein verhaßter Sympathisant der 1849 niedergeschlagenen Demokratiebewegung gewesen.

    Zwischen Schwanensee und Lauterberg sind vor Jahren große Informationstafeln zu Drais, zur Rennbahn und zur Geschichte des Lauterberges angebracht worden.

    Das geschah auf Anregung des Autors in Zusammenarbeit mit dem damaligen Direktor des Zoos/Stadtgartens Herrn Kern.

    Massive Zensurversuche durch Dr. Bräunche (damals Stadtarchivsleiter) konnten weitgehend abgewehrt werden.

    Plan Stadtgarten

    Das Photo enstand um 1890 und zeigt Radfahrer*Innen mit ihren verschiedenen Fahrzeugen; vom Kurbelveloziped bis hin zu den hochmodernen Sicherheitsfahrrädern mit Kette und zwei gleichgroßen Rädern.

    Im Schwarzwaldhaus links war der Amts- und Wohnsitz des Bahnwärters.

    StadtAK 8 PBS IV 260

    Bestimmungen

  • 18. Schwarzwaldhalle

    Draisfeier 1893

    Hier stand früher die kriegszerstörte Festhalle (das rechte Gebäude).

    Am 24. September 1893 fand hier - anläßlich der Einweihung des Draisdenkmals am alten Standort (siehe Station 14 ) das bisher größte Fest zu seinen Ehren statt.

    Das Programm reichte von den Reden bei der Enthüllung des Denkmals (u.a. von Joseph Thomas Cathiau siehe Staion 19 ) über Aufmärsche / Paraden vor der Halle,  Radrennen auf der Rennbahn im Stadtgarten (siehe Station 17 ) , über Chorgesang / Kunstliedvortrage mit Klavierbegleitung in der Halle ... bis hin zur Aufführung des  eigens zu diesem Anlaß geschriebenen Bühnenstückes "Bicycletta" .

    Sein Autor war der wichtigste Verbündete des Draisverehrers Dr. Cathiau im deutschen Reich, nämlich Karl Hindenburg (Magdeburg), der damalige Ehrenvorsitzende aller deutschen Radfahrer*innenvereine (siehe auch Station 37).

    Vierordtsbad 1890 1900

  • 19. Ettlinger Straße

    Wohnhaus Cathiau

    Hier stand z.Z. der beginnenden Draisverehrung das von ihm selbst geplante Wohnhaus des wohl größten Draisverehrers in Karlsruhe.

    Dr. Joseph Thomas Cathiau (1832 -1921) stammte aus Mainz, hatte in Karlsruhe Architektur studiert und war u.a. Gewerbeschuldirektior und ehrenamtlicher Stadtarchivar.

    Er setzte sich sehr für Drais ein und in Zusammenarbeit mit Karl Hindenburg (siehe Station 14, 18, 39) und den Radfahrer*innenvereinen aus dem ganzen Deutschen Reich, verdanken wir seinen Bemühungen uA das Grabmal auf dem Hauptfriedhof (Station 39)und das Drais-Denkmal (Station 16).

    Bei seiner Rede anläßlich der Drais-Denkmalseinweihung (Staion 18) formulierte er mit bemerkenswerter Deutlichkeit seine Sicht der Dinge in "Sachen Drais".

    Frei nach Cathiau:  Von dieser Denkmalseinweihung geht Ton wie ein Glockenschlag in die Welt; dass nämlich somit eine SCHULD DER GANZEN WELT GESÜHNT ist !

    Nach seinem Tod 1921 in Lahr, ließ er sich unmittelbar darauf nach Karlsruhe überführen und auf dem Hauptfriedhof - nicht weit von Drais - beerdigen.

  • 20. Nowackanlage 2

    Ehemaliges Wohnhaus von Professor Heinrich Meidinger (1831 -1905)

    In unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem Gegenspieler Cathiau (siehe Stationen 14, 16, 19, 39 ) wohnte zufällig einer der schärfsten Draiskritiker.

    Meidinger veröffentlichte 1891 in einem langen Aufsatz im Mannheimer Gewerbeblatt , als die Draisverehrung einen ersten Höhepunkt erreicht hatte (siehe Staion 39), eine bösartig negative Beurteilung der Laufmaschine und ihres Erfinders.

    Ob er seine üblen, sachlich völlig falschen und ihn selbst disqualifizierenden Behauptungen aus eigenem Antrieb oder im Auftrag der Monarchisten tätigte ist unbekannt ( siehe Stationen 5, 21, 38).

  • 21. Meidingerstraße

    (Siehe Texte zu den Stationen 5, 20, 38)

  • 22. Adlerstraße 30

    Wohnhaus Carl Benz

    Hier wohnte ab etwa 1848 der damals 5-jährige Carl Benz mit seiner Mutter; war also bis Drais' Tod sozusagen sein Nachbar.

    (siehe Station 23).

  • 23. Zähringerstraße

    Drais Haus

    Zähringerstraße 63 (früher 43)

    (1845-1851)

    Hier stand bis zu Abriss im Jahre 1898 das Haus in dem Karl Drais nach seiner Rückkehr aus Waldkatzenbach (Odenwald) wohnte und am 10.Dezember 1851 starb.

    Das Sterbehaus Zähringerstraße 43, über dem Eingang eine vom Deutschen Radfahrerbund 1893 angebrachte Gedenktafel (Quelle: Ausstellungskalender 1985) Gedenktafel aus dem Jahr 1893 am Sterbehaus, gestiftet vom 1. Karlsruher Bicycleclub. wurde nach dem bereits 1898 erfolgten Abriss des Hauses erhalten und liegt zur Zeit im Fundus des Stadtmuseums (Prinz-Max-Palais) (Quelle: Stadtmuseum Karlsruhe), (Siehe Station 11) heutige Ansicht der Stelle, an der das alte Haus stand.Der Neubau beherbergt städtische Einrichtungen und zeigt die Idee für ein modernes Mahnmal zu Ehren von Karl Drais. Hier ein würdiges Gedenken zu ermöglichen, ist eine dringliche Aufgabe.

    Vom 10. Dez. 2014 sind hier an seinem Todestag jährlich Gedenkfeiern geplant.

    Foto9III 

    A DSC 2846

    Sterbehaus

    Tod

  • 24. Zähringerstraße

    Zähringerstraße  65 (früher 45)

    (1849)

    Die heutige Bebauung Zähringerstraße / Ecke Kreuzstraße bildet ein städtisches Gebäude.

    Das Eckhaus Zähringer 45, das Wirtshaus „Goldenes Kreuz“ erlangte im Jahre 1849 traurige Berühmtheit, als namentlich bekannte Offiziere Karl Drais wegen seiner politischen Gesinnung körperlich schwer misshandelten.

    Östlich angrenzend ist das Haus Zähringerstraße 43 (heute 63) markiert, in dem Drais bis zu seinem Tode im Jahre 1851 wohnte.

    Foto10

    DRAIS Goldnes Kreuz

  • 25. Pfarrer Löw- / Ecke Hebelstraße

    Die Gedenktafel

    Die obere Gedenktafel wurde vom Karlsruher Bicycle-Club angebracht, in der wohl falschen Annahme, hier habe Karl Drais von 1840-1843 gewohnt, was bisher nicht belegt werden konnte.

    Hingegen ist unbestritten, dass Drais von 1839 bis 1845 seinen Wohnsitz in Waldkatzenbach hatte.

    Möglicherweise hat er hier bei Besuchen in Karlsruhe (z.B. Erprobung der Eisenbahndraisine) immer wieder mal Quartier genommen.

    Die untere korrekte Tafel gilt Johann - Peter - Hebel, dem bekannten Dichter.

    Er gehörte zu den Lehrern von Drais auf dem Markgräflichen Gymnasium (Station 4).

    Hebelstrasse   Hebelstrasse2

  • 26. Kaiserstraße (früher Langestraße ) Nr. 38

    Wohnhaus von Familie Bielefeld

    Hier wohnte z.Z. der Englandreise von Drais (1832) die Familie Bielefeld.  

    (Siehe Station 27)

  • 27. Ecke Kaiserstraße / Marktplatz

    Ehemalige Hofbuchhandlung

    Hier befand sich lange Jahre die Bielefeldsche Buchhandlung, ab 1855 offiziell Hofbuchhandlung.

    Adolf Bielefeld (1812 -1895) war ein Freund/Unterstützer von Karl Drais, den er z.B. bei dessen Englandreise in seiner Londoner Wohnung beherbergte und ihm, zusammen mit dem Opernsänger Anton Haizinger (1796 - 1869), half, Briefe in Englisch für den Königshof zu verfassen.

    Der Zufall (?) will es, dass Bielefeld am 12. Juni Geburtstag hat, an dem Tag, an dem Drais die Laufmaschine erstmals im Jahr 1817 in Mannheim vorführte; was als offizieller Geburtstag des Urfahrrades gilt.

    In Bielefelds Haus muss eine sehr draisfreundliche Atmosphäre geherrscht haben, denn sein ehemaliger Mitarbeiter, Jakob (Jaques) Rosenthal, schrieb später ein kurzes Theaterstück (Die Vision des Erfinder), das zur Aufführung am Draisdenkmal bestimmt war und Drais in bemerkenswerter Weise huldigt.

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  • 28. Rathaus

    Laufmaschine / Bühlerbild

    Im Rathausfoyer rechts steht der Nachbau der Nachlasslaufmaschine von Karl Drais, da das leider das Original (siehe Station 29) eindeutig fehlrestauriert wurde. Die Räder sind viel zu klein, was auf die Vorlage - ein Gemälde des Malers Josef Karg, das Drais im Mannheimer Schlosspark zeigt - zurückzuführen ist. Bedauerlicherweise hatte man sich nicht an die Originalbaupläne von Drais gehalten.

    A DSC 2839

    Auch wird inzwischen, trotz grundsätzlich anderer Auffassung professionellerer Fachleute, von Seiten des Stadtarchives versucht, die auf dem Holzrahmen der Laufmaschine freigelegten Farben "Schwarz Rot Gold" (den Farben der Revolution, des Hambacher Festes usw. von 1848) auf "Rot und Gelb" umzudeuten bzw. zu reduzieren, den Farben des Großherzotums Baden. Woher die freigelegte schwarze Farbe kommt, wird übergangen.

    Dieser neue Standpunkt gehört zu der seit Jahren glasklar zu erkennenden Kampagne des Stadtarchives und Stadtmuseums, Karl Drais‘ eindeutig anders einzuschätzen, als er in seiner Erklärung vom Mai 1849 formulierten hat. Seine Absage an die Privilegien des Adels, die Niederlegung seines Adelstitels, seine entschiedene Unterstützung bzw. Solidarisierung mit der demokratischen Revolution wird relativiert, in ihrer Konsequenz geleugnet, trotz der in Drais‘ eigenen, teils sehr deutlichen Stellungnahmen (etwa seit den frühen 1820er Jahren)nicht zu übersehender aufgeklärter, menschenfreundlicher und demokratischer Grundeinstellung.

    In allen möglichen Texten versuchten sie, Karl Drais seinen abgelegten Adelstitel zwangsweise postum wieder zu verleihen, und es kam auch deswegen zu mehreren klaren Fällen von Zensur - mindestens teils gescheiterten Zensurversuchen - durch den Leiter des Karlsruher des Stadtarchives Dr. Ernst-Otto Bräunche.

    2017 zum Verbot der Anbringung eines Bodenaufklebers zum Thema Karl Drais; gerade hier vor dem Rathaus.

    Es wäre nämlich auf die revisionistische Umdeutung bezüglich der fehlrestaurierten Laufmaschine Bezug genommen worden, was Herr Bräunche natürlich verhindern wollte. 

    Am südlichen Teil der Rückwand des größten Saales des Rathauses befand sich bis zu seiner Kriegszerstörung ein großes Gemälde von Hans-Adolf Bühler mit dem Titel "Großherzog Carl-Friedrich und seine acht Männer von Talent", auf dem ganz rechts Karl Drais abgebildet ist.

    BühlerBild

    Bemerkenswert ist die würdige Darstellung. Drais wird sonst nur in irgendeiner Weise in Karikaturen dargestellt, sogar oft noch mit einem "Blauen Auge".

    Das ist bedauerlich und unverständlich, entspricht es doch unzweifelhaft nicht dem Stand der Draisforschung und belegt die Rückständigkeit und Verweigerungshaltung der städtischen Institutionen Stadtarchiv/Stadtmuseum und Kulturamt, namentlich der Herren Dr. Ernst-Otto Bräunche (Stadtarchiv) und Dr. Peter Pretsch (Stadtmuseum), sowie von Frau Dr. Susanne Asche (Kulturamt).

    Das oben erwähnte Wandgemälde ist vergessen, tauchte aber durch Zufall bei einer Tullaausstellung in Rastatt auf, wo es von einem Glasnegativ aus den Beständen des Generallandesarchives aufwendig hochkopiert und auf eine Metallplatte gezogen wurde. Diese "Reproduktion" befindet sich dank der Freundlichkeit des Rastatter Museums in meinem Besitz; die stark beschädigten Reste befinden sich im "Giftschrank" des Fundus der städtischen Galerie im ZKM.

    Bühler hatte den Auftrag für das Gemälde vom letzten Bürgermeister (Finter) kurz vor der Machtergreifung der Nionalsozialisten erhalten.

    Er selbst wandte sich immer mehr den Nazis zu und gründete später einen nationalsozialistischen Künstlerbund.

    In der ignoranten Haltung der städtischen Instituionen liegt die Hauptursache für die Tatsache, dass Karl Drais im öffentlichen Raum der Innenstadt praktisch NICHT vorkommt.

    Deswegen wurde nun versucht, die Möglichkeit zu schaffen, einen von Interessierten selbsttätig durchführbaren Rundgang zu den Themen Karl Drais ( und auch zu Carl Benz), zur Geschichte der Laufmaschine, der Automobilität, der Stadtgeschichte und der Fahrradgeschichte in Karlsruhe zu Fuß, per Rad und virtuell einzurichten.

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  • 29. Stadtmuseum, Prinz-Max-Palais, Karlstraße

    Stadtmuseum, Prinz-Max-Palais, noch auf Jahre geschlossen!

    Eigentlich der Ort, an dem eine einigermaßen aktuelle Darstellung des Themenkomplexes Drais / Automobilität usw. zu sehen sein sollte.

    War das "Draiseckchen" bis 2017 höchst unvollkommen auf niedrigstem quantitativem wie qualitativem Niveau, verdoppelte sich, nach jahrelanger heftiger Kritik besser qualifizierter Fachleute, im Jubiläumsjahr die Zahl der Zeilen, wurden (teils sinnlose) Abbildungen hinzugefügt, aber der Tenor der Darstellung, die im Übrigen 8 konkrete sachliche Fehler aufwies, blieb in Verbindung mit einer tendenziösen, höchst fehlerhaften Veröffentlichung des Stadtarchivs grundsätzlich ein negativer.

    Und im Moment befindet sich das am Schluss vom Publikum gemiedene Haus in einem Dämmerschlaf, der noch viele Jahre andauern wird. Wann, wo und wie es weitergeht ist offen.

    Dabei befinden sich zum Thema Drais / Automobilität mehrere bedeutende Exponate in seinen Beständen, u.a. die Original (fehlrestaurierte) Nachlasslaufmaschine (siehe Station 28), dann die unbeschädigte Gedenktafel am Sterbehaus von 1893 (siehe Station 23) und einen hochwertigen Nachbau eines Patentmotorwagens von Carl Benz mehr.

    Hoffentlich wird das wertvolle Material bald in Verbindung mit einer Totalrevision des Textes wieder zugänglich.

    Ausstellungen mit kruden Überschriften wie "Genug gejubelt?" und dem Vorwurf einer Art "Nestflucht" gegenüber Drais und Benz, sie hätten ja ihre Erfindungen gar nicht in Karlsruhe gemacht, spiegeln den Grad der Ablehnung dieser beiden großen Männer und ein mindestens fragwürdiges Berufsverständnis.

    Foto11

  • 30. Amalienstraße

    Amalienstraße 87,
    ehemals Wirtshaus „Stadt Rastatt“

    (1843 und später)

    In diesem Haus war der Prototyp der vierrädrigen, fußbetriebenen Eisenbahndraisine während seines knapp sechsjährigen Exils in Waldkatzenbach / Odenwald untergestellt.

    Foto6

    A DSC 2872

  • 31. Schillerstraße 22 / Radfahrerhalle

    Radfahrerhalle - Velociped-Fahrschule von Wilh. Printz

    Auf dem heutigen Gelände des Spielplatzes befand sich die kriegszerstörte, vermutlich etwa 1890 entstandene Halle der Fahrschule Printz, die später zu Alwin Vaters "Imperium" (siehe Station 8) gehörte. 

    Das Wichtigste an der Halle ist das große Giebelrelief gewesen, das Karl Drais in Anlehnung an die Büste des Draisdenkmals zeigt (Stationen 14 und 16).

    Die Fenster waren wie bei Mädchenturnhallen so hoch angebracht, dass ohne Leiter nicht hineingesehen werden konnte. 

    Die Fahrschüler*innen wollten ungern bei Ihren oft mühevollen Fahrversuchen beobachtet werden.

    Eine Nachfahrin des Fahrlehrers Wilhelm Printz, Minna Printz, wurde eine bekannte Kunstradfahrerin

    (siehe eine der Gedenktafeln der Station 17, westlich des Lauterberges im Stadtgarten)

    A Drais Radfahrerbahn Karlsruhe

    Radfahrerbund

  • 32. Draisstraße / Weststadt

    Draisstraße / Weststadt

    im Jahr 1902 nach Drais benannt.
    Zusatztafel am Straßenschild mit historisch überholtem Text.

    A DSC 2873

    Dieser einigermaßen wohlmeinende Text ist aber doch im gemäßigten Tonfall und auf Basis der uralten Draisverleumdungen (speziell in Karlsruhe) verfasst, weist zahlreiche Fehler auf und steht heute noch im Straßennamenbuch, ... Kommentar überflüssig.

  • 33. Rheinstraße / "Ewiger Parkplatz" von Carl Benz

    (siehe auch Stationen 14, 16, 22 und 29)

    Auf dem Bürgersteig wurde vor Jahren ein stark vereinfachtes 1:1 Modell des Patentmotorwagens von Carl Benz aufgestellt.

    EwigerParkplatz Auto

    Der Ort wurde gewählt, weil hier früher das Geburtshaus von Carl Benz (1844 - 1929) gestanden hat.

    31152

    Der Initiator, Massimo Ferrini vom Bürgerverein Mühlburg, schuf dieses Denkmal mit Schülerinnen und Schülern unter Mithilfe verschiedener Betriebe der Metallbranche aus Mühlburg, ohne jegliche Unterstützung der Stadt (wie immer).

  • 34. Drais-Schule / Tristanschule

    Draisschule, Mühlburg

    Nördliche Giebelfront mit dem Relief (1953) von Karl Eger.Das sicher gutgemeinte Kunstwerk zeigt leider ein entstelltes, gelbes Gesicht, ganz in der Tradition der Karikaturen.

    An dieser Schule entstand ein übles Video, das ein ehemaliger Draisschüler mit einer Schulklasse drehte.

    Er macht sich über Drais in dummer, spätpubertärer Weise lustig und hat das zu seinem Beruf gemacht; (Pierre M. Krause, er soll sich mit diesem Video erfolgreich beim SWR beworben haben).

    Besonders traurig ist die Einblendung der Stellungnahme des damaligen Direktors, in der bekundet: Man hätte die Schule eigentlich nie nach Drais nennen dürfen, denn der sei ja ein Alkoholiker und Herumtreiber gewesen. Bestenfalls als Erfinder ließ der kenntnisarme Mann Drais gelten.

    Das sind die Früchte der vielfältigen Draisschmähungen, die seit den zwanziger Jahren des 19.Jahrhunderts immer wieder auf vielfältige Weise das Draisbild bestimmt, aber mindestens stark eingefärbt haben ... und bis heute ist an der Drais-Schule nur sehr wenig Veränderung zu bemerken; sehr wenig!

  • 35. Alter Flugplatz / ehemaliger Exerzierplatz

    Landwirtschaftliche Zentralfest / Holzsparofen

    Das Areal des Alten Exerzierplatzes liegt nördlich des Städtischen Klinikums (Moltkestraße), umfasste sicher Teile des alten Flugplatzes und der südlichen Nordweststadt.

    Hier fand 1833 das erste und einzige "Landwirtschaftliche Zentralfest" statt.

    Es war von Drais angeregt worden. Ausführliche Informationen finden sich bei Hans-Erhard Lessing / Automobilität.

    Ein vom Großherzog wegen Holzmangels in der Rheinebene ausgelobter Wettbewerb führte zu einem Skandal.

    Die Jury wählte aus den "blind" bewerteten Wettbewerbsbeiträgen den Holzsparofen von Karl Drais zum Siegerbeitrag. Als sie dann sahen, dass Drais die beste Konstruktion eingereicht hatte, entschlossen sie sich, ihm den ersten Preis zu verweigern, und er wurde nur Zweiter. Das erboste Drais sehr, aber sein Protest brachte nichts ein; nach dem Tod des Vaters hatte er keinen großen Rückhalt mehr bei Hofe und sein Ruf war längst ruiniert (worden).

  • 36. Fasanengarten

    Drais-Tisch

  • 37. Hauptfriedhof

    Grabmal

    Hauptfriedhof Karlsruhe / Haid-und-Neu-Straße

    Grabmal und letzte Ruhestätte von Karl Drais seit der Umbettung im Jahr 1891.

    Die Präsenz von Karl Drais im Stadtbild ist mangelhaft.
    Eine Veränderung dieses Zustandes ist so wünschenswert wie überfällig.

    Sie könnte im Falle eines Drais-Rundganges mit überschaubaren finanziellen Mitteln bewältigt werden. Wie gezeigt wurde, mangelt es an Orten mit historischem Bezug zu Karl Drais wirklich nicht.

    2010 hat in gleicher Sache die Stadt Mannheim eine 10 Stationen umfassende Drais-Route für Radfahrer eingerichtet.

    Grabstein

  • 38. Durlacher Tor

    Meidinger-Schule

  • 39. Kapellenstraße

    Alter Friedhof / Preußendenkmal

Was auch immer die Gründe für die unverständliche und zu hinterfragende Haltung verschiedener Institutionen dieser Stadt im Bezug auf ein zeitgemäßes, historisch und politisch korrektes Verhältnis zu Karl Drais sind, die Anbringung einer Gedenktafel an seinem Sterbehaus in der Zähringerstraße ist ein Gebot des Anstandes.

Die historische Gedenktafel ist seit 122 Jahren vorhanden.
Wir hoffen in Zukunft durch weitere Forschungen, Funde und Hinweise die Zahl der Rundgangstationen noch erhöhen zu können, freuen uns über jede Anregung und auf die baldige Einrichtung eines ersten Drais-Rundganges.

Wie wäre es mit einem Ideenwettbewerb für die Gestaltung eines solchen Rundganges?

KONTAKT

Martin Hauge
Schützenstraße 38 | D-76137 Karlsruhe

Weitere Ansprechpartner

Prof. Hans-Erhard Lessing

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